Informationen über: Sonnenbrand

Krankheitsbild

Sonnenbrand nennt man die charakteristischen Symptome, mit denen unsere Haut auf eine einmalige Überdosis Sonne reagiert. Dabei handelt es sich um eine klassische Entzündung. Die betroffenen Hautstellen sind heiß und gerötet und reagieren sehr schmerzhaft auf Berührung und Wärme. Bei einem stärkeren Sonnenbrand schwillt die Haut an und bildet Blasen. Ein Sonnenbrand entsteht dann, wenn die Haut der Sonne länger ausgesetzt ist, als ihre eigenen (oder auch die zusätzlichen) Schutzmechanismen es zugelassen hätten. Die ersten schmerzhaften Symptome beginnen etwa 5-6 Stunden nach der Sonnenbestrahlung und erreichen nach 12-24 Stunden ihren Höhepunkt. Leichte Sonnenbrände klingen schnell unter Bräunung der Haut ab, bei stärkeren wird die verbrannte Haut in Schuppen abgestoßen: Man „schält“ sich. Mit Ausnahme der sehr seltenen Verbrennungen dritten Grades, die zu Nekrosen und Narben führen können, heilen Sonnenbrände folgenlos ab.

Ursachen

Die Strahlung der Sonne, die in unserer Erdatmosphäre ankommt und beim Sonnenbaden auf unsere Haut trifft, unterteilt man nach ihrer Wellenlänge in verschiedene Strahlenarten: UV-Strahlen, sichtbares Licht und Infrarot (Wärmestrahlung). Bei den UV-Strahlen wiederum unterscheidet man UV-A und UV-B. UV-A-Strahlen dringen tief in die Haut ein und bewirken dort die Sofortbräunung, aber auch (vor allem bei dauerhafter Überdosierung) irreparable Hautschäden wie beschleunigte Hautalterung und Hautkrebs. UV-B-Strahlen dringen nur in die oberste Hautschicht ein und führen zu der kosmetisch gewünschten lang anhaltenden Hautbräunung. Sonnenbrand geht ausschließlich auf eine Überdosis an UV-B-Strahlen zurück.

 

Die Eigenschutzzeit ist individuell verschieden

Jeder Mensch besitzt seine eigenen Grenzen, wie lange er sich der Sonne aussetzen darf, bis sich die ersten schmerzhaften Rötungen zeigen. Der Fachmann nennt diese Grenze die Erythemschwelle (Erythem = Rötung). Sonnenempfindliche Menschen (Hauttyp I) reagieren bereits nach wenigen Minuten mit Sonnenbrand, andere können sich lange Zeit unbeschadet in der Sonne aufhalten (Hauttyp IV). Um diese Grenze korrekt ermitteln zu können, muss man seinen Hauttyp kennen und eine mögliche Verstärkung der Sonnenstrahlen durch Höhenlage, Schnee oder Sand berücksichtigen. Die folgende Tabelle hilft Ihnen, sich richtig einzuschätzen.

 

Typ

Haut­farbe

Som­mer-
spros­sen

 

Au­gen-
farbe

Haar-
farbe

Brust-
war­zen

Reaktion auf
Sonne

Eigen-
schutz-
zeit*

empf.
LSF*

Schutz­zeit
in der
Sonne*

I

sehr hell

viele

grün, blau

rötlich

sehr hell

immer Sonnen­brand, kaum Bräunung

5-10 min

25-30

2-5 h

II

hell

selten

grün, blau, grau

blond, hell­braun

hell

häufig Sonnen­brand, wenig Bräunung

10-20 min

15-25

2,5-8 h

III

hell bis hell­braun

keine

grau, braun

dunkel­blond, braun

dunkler

selten Sonnen­brand, gute Bräunung

20-30 min

12-15

4-7,5 h

IV

hell­braun

keine

braun

dunkel­braun, schwarz

dunkel

kein Sonnen­brand, sehr gute Bräunung

40 min

10-12

6,5-8 h

 

* beispielhaft für die Intensität der Sonnenstrahlung im Sommer am Mittelmeer. Die Schutzzeit verringert sich, wenn die Strahlungsintensität steigt, z.B. bei Reflexion durch Schnee oder hellen Sand, in Hochgebirgslagen etc.

 

Wenn Sie ermitteln wollen, welcher Lichtschutzfaktor für Sie richtig ist, dann multiplizieren Sie die voraussichtliche Zeitdauer des Sonnenbades (in Minuten) mit dem Faktor 1,5. Das Ergebnis teilen Sie durch Ihre persönliche Eigenschutzzeit (siehe Tabelle oben) und erhalten als Endergebnis den benötigten Lichtschutzfaktor.

Verlauf/Folgen

Sonnenbrand ist noch das kleinere Übel...

denn er betrifft nur die obersten Hautschichten. Wer aber auf Grund einer Überdosis UV-B einen Sonnenbrand bekommen hat, der war zwangsläufig auch der UV-A-Strahlung zu lange ausgesetzt. Und diese UV-A-Strahlen bergen die eigentliche Gefahr: Hautkrebs. Wenn eine Hautzelle durch die energiereichen Strahlen geschädigt ist, versucht sie, den Schaden für das Erbgut und die umliegenden Zellen zu begrenzen. Kleinere Sonnen-Schäden an der Erbinformation werden mit Hilfe spezieller Enzyme sorgfältig repariert, größere Veränderungen dagegen setzen eine Art Selbstmordprogramm in Gang, mit dem sich die Zelle selbst aus dem Gefecht zieht. Dadurch verhindert sie, dass bei der nächsten Zellteilung fehlerhaftes Erbmaterial an die Tochterzellen weitergegeben wird. Je stärker und je öfter aber die Haut durch die Sonne angegriffen wird, desto mehr steigt die Gefahr, dass die Reparaturmechanismen oder der „programmierte Zelltod“ einmal nicht funktionieren. Dann entartet die Zelle und kann dadurch den Startschuss für Hautkrebs geben. Zusätzlich hemmt die hohe Sonnendosis die Immunfunktionen der Haut, so dass das Abwehrsystem die entarteten Zellen nicht erkennt und deshalb nicht beseitigt. So kann sich der Krebs schneller und leichter entwickeln.

 

Die bronzefarbene Schönheit von heute ist die vertrocknete Pflaume von morgen

UV-A-Strahlen vergrößern nicht nur das Hautkrebsrisiko, sondern lassen die Haut auch schneller altern. Sie verliert sehr viel früher an Elastizität, wird faltig und runzelig. Auch dieser Effekt des UV-A-Lichtes ist irreparabel!

 

Vorsicht, Gefahr!

Häufige Sonnenbrände (genau genommen die damit verbundene UV-A-Überdosis) im Kindes- und Jugendalter (bis 18 Jahre) bergen ein deutlich höheres Krebsrisiko als Sonnenbrände im Erwachsenenalter! Auch häufige Benutzung von UV-A-Solarien erhöht das Krebsrisiko.

Wann zum Arzt

Auch wenn die meisten Sonnenbrände problemlos verheilen - in folgenden Fällen sollten Sie dennoch einen Arzt aufsuchen:

Das können Sie tun:

Überblick

Akuter Sonnenbrand: Kühlung, Hautpflege, Medikamente, Vitamine

Wenn Sie sich einen Sonnenbrand zugezogen haben, sollten Sie Ihre Haut zunächst kühlen, zum Beispiel fünf bis zehn Minuten unter fließendem Leitungswasser von 8 bis 25 °C oder ersatzweise durch feuchte Umschläge (keinesfalls Kühlpacks oder Eisspray verwenden, weil dies zu einer Schädigung der Haut führen kann. Auch Leitungswasser, das keine Trinkqualität sowie stehende Gewässer sind wegen ihres Infektionsrisikos zum Kühlen ungeeignet.) und dann zwei- bis dreimal täglich eine stark wasserhaltige Creme, Lotion oder Schaumspray auftragen. Zusätzlich kann die Entzündung durch die Einnahme von Medikamenten bekämpft werden. Auch homöopathische Arzneimittel haben sich bewährt.

 

Subjektive Erleichterung und sofortige Schmerzlinderung werden Sie erfahren, wenn Sie die betroffenen Hautstellen kühlen, z.B. mit feuchten Tüchern.

Wichtig ist, dass Sie sich jetzt besonders vitaminreich und vollwertig ernähren. Denn die Vitamine A, C und E sowie das Spurenelement Selen unterstützen die Reparatur- und Heilungsvorgänge, mit denen Ihre Haut Schäden durch einen Sonnenbrand beseitigen kann.

 

Vorbeugung vor weiteren Sonnenschäden

Schützen Sie sich vor weiteren Sonnenbränden: Lernen Sie die Eigenschutzzeit Ihrer Haut richtig einschätzen und wenden Sie geeignete Sonnenschutz-Präparate an. Beachten Sie aber, dass der volle Lichtschutzfaktor nur dann zur Wirkung kommt, wenn Sie die Kosmetika korrekt anwenden, z.B. 20 bis 30 Minuten vor der Sonneneinwirkung auftragen, regelmäßig erneuern, insbesondere nach dem Baden und Verluste durch Schweiß oder Abrieb ersetzen. Vermeiden Sie besonders bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren eine Überdosis an Sonne! Denn die Schäden, die die Sonne in dieser sensiblen Zeit angerichtet hat, wird die Haut nie mehr vergessen!

Leider gibt es für UV-A keine Norm. Der auf dem Sonnenschutzmittel angegebene Faktor bezieht sich stets nur auf das UV-B. Ob und wie sehr die jeweilige Creme daneben auch vor UV-A schützt, lässt sich nicht erkennen. Wer diesbezüglich sicher gehen will, sollte seine Haut mit entsprechender Kleidung schützen.

Medikamente

Bei einem akuten Sonnenbrand können Ihnen Medikamente helfen, Ihre Beschwerden zu verringern und die Heilung der Haut zu beschleunigen. Kühlende Gele oder stark wasserhaltige Lotionen oder Schaumsprays mit pflegenden Zusätzen (z.B. Dexpanthenol) oder entzündungshemmenden oder antiallergisch wirkenden Wirkstoffen bringen oft sofortige Linderung. Auch ein schmerzstillendes Brand- und Wundgel können Sie gut bei Sonnenbrand einsetzen. Die Heilung der verbrannten Haut lässt sich mit Zinkoxidschüttelmixtur oder einer Dexpanthenol-haltigen Lotion fördern. Bei stärkeren Schmerzen empfiehlt es sich, anti-entzündlichen Wirkstoffe wie zum Beispiel ASS (Acetylsalicylsäure) zusätzlich z.B. als Tablette einzunehmen. Wenn Sie sich einen sehr starken Sonnenbrand zugezogen haben, wird Ihr Arzt vermutlich eine Creme mit Cortison einsetzen, um die Entzündung zu lindern und Narbenbildung zu vermeiden.

Auch homöopathische Arzneimittel können Sie bei Sonnenbrand sehr gut einsetzen; sie unterstützen und aktivierend die körpereigenen Abwehr- und Heilungskräfte.

Homöop. Arzneimittel

Folgende Aufstellung listet homöopathische Einzelmittel, die bei diesem Beschwerdebild häufig zum Einsatz kommen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Belladonna

 

bei klopfenden, pulsierenden Schmerzen und brennender, trockener, heißer Haut; Schwellungen.

 

Cantharis

 

bei starken Schmerzen und Blasenbildung.

 

Causticum

 

bei roter, heißer geschwollener Haut mit Blasen.

 

Schüßler Salze

Zur Behandlung des  Sonnenbrandes haben sich folgende Einnahmen bewährt:

 

Bei folgenden Symptomen oder Ursachen

gilt folgendes Einnahmeschema :

nach übermäßigem Aufenthalt in der Sonne, ohne Blasenbildung, nur Rötung und Hitzegefühl

Ferrum phosphoricum D12 Nr. 3 3xtgl. 1-2 Tbl.

auch als Salbe auftragen

starker Sonnenbrand mit Blasenbildung

Natrium chloratum D6 Nr. 8 3xtgl. 1-2 Tbl.

Allgemeine Maßnahmen

Vermeiden Sie den nächsten Sonnenbrand!

Wenn Sie sich schon vor dem Urlaub auf die Sonne vorbereiten wollen, dann sind Ihre Möglichkeiten leider sehr begrenzt. Das Vorbräunen im Solarium führt zwar zu einem gewissen Schutz - Vorgebräunte bekommen nicht so schnell einen Sonnenbrand - erhöht allerdings die Strahlenbelastung und begünstigt damit Hautalterung und Langzeitschäden. Durch Selbstbräuner gebräunte Haut sieht dagegen nur gut aus, ist aber nicht vor Sonnenbrand geschützt. Auch die Einnahme von Betacaroten-Präparaten hat sich für den vorbeugenden Sonnenschutz als nicht wirksam erwiesen, sondern nur zur Vorbeugung von Sonnenallergien und Lichtunverträglichkeiten.

Den besten Sonnenschutz bieten nach wie vor Textilien: leichte Kleidung aus Baumwolle oder anderen Naturfasern. Für alle unbekleideten Hautstellen empfiehlt sich die Anwendung spezieller Sonnenkosmetika, die als Creme, Milch, Gel, Spray oder Stift zur Verfügung stehen.

Machen Sie kein Sonnenbrand-Tattoo!

Ab und zu kommt es in Mode, ein Stück Haut vor dem Eincremen mit eine Schablone abzudecken, und somit an dieser Stelle bewusst einen Sonnenbrand zu provozieren. Da dies oft an Stellen gemacht wird, die keine Sonne gewohnt sind (Gesäß, Dekollete etc.), ist die Gefahr eines späteren Hautkrebses an dieser Stelle stark erhöht.

 

So wirkt Ihr Sonnenschutzmittel optimal

 

Besondere Empfehlungen für Kinder unter 6 Jahren:

Ernährung

Die Schäden, die UV-Licht in höherer Dosierung an unserer Haut anrichten kann, gehen auf die Wirkung von freien Radikalen zurück. Freie Radikale sind aggressive chemische Sonderformen, die sich aus vielen Stoffen bilden können, z.B. aus Sauerstoff oder Fettsäuren. Ihre Entstehung wird von der Energie, die im Sonnenlicht steckt, begünstigt und gefördert. Weil freie Radikale eine große Gefahr für unsere Gesundheit darstellen - viele Krankheiten, z.B. Krebs, Arteriosklerose oder Alzheimer haben mit freien Radikalen zu tun - verfügt unser Körper über verschiedene Mechanismen, um solche freien Radikale abzufangen und unschädlich zu machen. Eine besondere Rolle spielen dabei die antioxidativen Vitamine A, C und E, die Vitamin-A-Vorstufe Betacarotin sowie Selen.

 

In Bezug auf UV-bedingte Gefahren konnten Wissenschaftler folgende Schutzwirkung für Vitamin-A-Vorstufen (Carotinoide) und Selen nachweisen: Carotinoide helfen, Krebserkrankungen vorzubeugen; Selen reduziert die Wirkungen des UV-Lichts und schützt so vor Sonnenbrand.

 

Der „Schutz von innen“ ist ganz einfach:

Sorgen Sie dafür, dass Ihre Nahrung reichlich antioxidative Vitamine, vor allem Carotinoide (= Vitamin-A-Vorstufen), Vitamin C und E sowie Selen enthält.

 

Die folgende Aufstellung zeigt Ihnen, welche Lebensmittel reich an diesen Nährstoffen sind:

Carotinoide

Grünes und rotes Gemüse: Spinat, Salat, Grünkohl, Mangold, Karotten, Paprika, Tomaten

Vitamin C

Frisches Obst und Gemüse, möglichst roh

Vitamin E

Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Rapsöl, Weizenkeime, Haselnüsse

Selen

Fische, Vollkornprodukte, Nüsse, Samen (v.a. Sesam)

 

Besonders hellhäutigen und sonnenempfindlichen Personen empfiehlt sich im Sommer bzw. vier Wochen vor und während des Urlaubs die Einnahme eines höherdosierten Betacarotin-Präparates.

Hausmittel

Kühlen tut gut

 

Nicht empfehlenswerte Hausmittel

Ölige sowie sehr fettreiche Hautpflegemittel können generell nicht empfohlen werden, da sie die Haut daran hindern, Feuchtigkeit zu verdunsten. Dadurch kommt es zu einem Wärmestau in der Haut, der die Beschwerden bei Sonnenbrand erst recht verstärkt. Dennoch kursieren z.T. noch Rezepturen für spezielle Sonnenöle wie die beiden unten angeführten. Wenden Sie diese keinesfalls auf verbrannter Haut an!


Literaturquellen



Letzte Aktualisierung: 29.08.2017

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